Journal 5 Min Lesezeit

Was kostet eine Fachanwendung? Ehrliche Preisrechnung 2026

Zwei Preisstufen, konkrete Beträge, klare Grenzen. Damit Sie schon vor dem Erstgespräch wissen, in welchem Bereich Ihr Vorhaben liegt.

Wer im Web nach Preisen für Fachanwendungen sucht, findet vor allem eines: “Auf Anfrage”. Die Spannen bleiben verborgen, das Erstgespräch beginnt bei null, und am Ende weiß niemand, ob ein Vorhaben in vier Wochen oder vier Monaten zu lösen ist. Ich halte das nicht für ehrlich. Auf dieser Seite stehen die Beträge, mit denen ich seit Jahren rechne. Sie liegen für Fachanwendungen zwischen 5.000 und 25.000 Euro. Die Spanne wirkt breit, lässt sich aber in zwei klar unterschiedene Profile teilen, die ich gleich vorstelle. Vorher lohnt der Blick darauf, was den Preis innerhalb dieser Spanne wirklich verschiebt.

Wovon der Preis bei einer Fachanwendung wirklich abhängt

Fünf Treiber bestimmen, in welcher Spanne ein Vorhaben landet. Sie sind branchenunabhängig, ob im Vertrieb, in der Beratung, im öffentlichen Sektor, im Handwerk oder in der Industrie.

Logik-Komplexität. Eine simple Formel oder ein Regelwerk mit Verzweigungen? In der Praxis trifft das auf sehr verschiedene Fälle zu: Tarifrechner, Förderprüfung, technische Normen, Provisionsberechnung, Versicherungsprämien, Konfigurations-Validierungen. Norm-getriebene Logik ist ein Fall unter vielen, kein Sonderfall. Je verzweigter das Regelwerk und je häufiger es sich ändert, desto mehr Aufwand entsteht für saubere Tests und für die Kapselung der Regeln, sodass spätere Updates nicht jede Tabelle neu durchsuchen müssen.

Eingabe-Tiefe. Wenige Felder mit klaren Datentypen oder mehrstufige Wizards mit hunderten Kombinationen? Wie viel Validierung braucht es zwischen den Schritten, damit die Anwendung keine unsinnigen Eingaben weiterreicht?

Output-Tiefe. Reicht ein Ergebnis am Bildschirm oder muss etwas Druckbares, Exportierbares, Versendbares entstehen, etwa ein Angebot, ein Beleg, ein Protokoll oder eine Bestätigungsmail? Druckbare Dokumente in echter Beleg-Qualität verschieben den Aufwand spürbar.

Nutzungskontext. Desktop am Schreibtisch oder Mobile im Außendienst? Eine Person oder mehrere mit unterschiedlichen Rechten? Online oder offline-fähig? Eingebettet in einen Login oder öffentlich zugänglich? Jede dieser Anforderungen bringt eigene technische Konsequenzen mit sich.

Integrationen. Eigenständig oder verbunden mit CRM, ERP, Auth-Provider, Mailsystem, Buchhaltung? Eine Schnittstelle ist überschaubar. Fünf wechselwirken miteinander und brauchen ein Konzept, wie Fehler in einem System die anderen nicht fortreißen.

Wer diese fünf Treiber für das eigene Vorhaben gewichtet, kann sich danach auch ohne Detailwissen einem der beiden folgenden Profile zuordnen.

Tier 1: Kompakte Fachanwendung, 5.000 bis 9.000 Euro, 3 bis 5 Wochen

Single-Purpose-Tools mit klarer Logik. Ein Modus, bis ungefähr zehn Eingabefelder, eine Ergebnisanzeige, optional ein einfacher PDF-Export.

Was reinpasst. Eine fokussierte Aufgabe, klare Validierung, eine Logik, die sich in einer überschaubaren Anzahl von Regeln abbilden lässt. Mobile- und Desktop-tauglich aus dem gleichen Code, DSGVO-konform ohne externe Tracker.

Was nicht reinpasst. Multi-Modus-Logik, hinterlegte Regelwerke mit Versionierung, Offline-Modus, Rollen-Konzept oder Integrationen in Drittsysteme.

Beispiele aus verschiedenen Branchen:

  • Wirtschaftlichkeits- oder ROI-Rechner für den Vertrieb
  • Förderbeitrag-Tool für eine Kommune oder einen Verband
  • Lead-Gen-Wizard mit Vorqualifizierung
  • Schlanker Antragsvorprüfer
  • Ein-Modus-Konfigurator mit wenigen Optionen

In dieser Klasse bewegen sich Vorhaben, die ein klares Problem lösen, aber keine Plattform werden sollen. Drei bis fünf Wochen reichen, weil Spezifikation, Umsetzung und Testung in dieser Zeit zueinander finden, ohne dass parallele Themen die Discovery überlagern.

Tier 2: Fachanwendung, 12.000 bis 25.000 Euro, 6 bis 10 Wochen

Multi-Modus mit Fachnormen oder Varianten-Logik, PDF- und Export-Funktionen, optional offline-fähig.

Was reinpasst. Mehrere Modi, hinterlegte Regelwerke (Tarife, Normen, Geschäftsregeln), PDF-Output in Beleg- oder Protokollqualität, optional Offline-Fähigkeit über Service Worker, ein bis zwei einfache Drittsystem-Integrationen.

Was nicht reinpasst. Mandanten-fähige Backends mit verteiltem User-Management, schwergewichtige Integrationen in mehrere fremde Systeme, Echtzeit-Kollaboration im Team.

Beispiele aus verschiedenen Branchen:

  • Mehrstufiger Konfigurator mit Varianten-Logik und PDF-Angebot
  • Antragsstrecke mit hinterlegtem Regelwerk und Beleg-Erzeugung
  • Tarif- oder Versicherungsrechner mit hinterlegten Tabellen
  • Branchen-Kalkulator mit Norm- oder Regelwerk-Hinterlegung
  • Industrie-Tool mit Druckprotokoll und Mehrbenutzer-Modus

Sechs bis zehn Wochen ergeben sich, weil die Discovery-Phase in dieser Klasse eigenständiges Gewicht bekommt: Regelwerke müssen verstanden, Sonderfälle durchgesprochen und PDF-Layouts entworfen werden, bevor die Umsetzung sinnvoll beginnt. Wer sehen will, wie eines dieser Profile in der Praxis aussieht, findet unter /projekte verschiedene Ausprägungen.

Was zwischen 9.000 und 12.000 Euro passiert

Diese Spanne ist absichtlich nicht abgedeckt. Wenn ein Vorhaben dort landet, lohnt der zweite Blick auf den Scope: Entweder lässt es sich so schneiden, dass das Kompakt-Profil ausreicht, etwa indem ein Output-Format gestrichen oder eine Regel-Variante in eine spätere Phase verschoben wird. Oder es ist eine echte Fachanwendung im unteren Bereich des Standard-Tiers, dann sollten die zusätzlichen 3.000 Euro auch in zusätzliche Substanz fließen, nicht nur in Komfortmerkmale. Diese Lücke ist kein Buchhaltungseffekt, sondern eine Profilfrage.

Was über 25.000 Euro liegt

Vorhaben über 25.000 Euro verlassen das Standardprofil. Mandanten-fähige Backends, mehrere Rollen mit echtem Berechtigungssystem, Drittsystem-Integrationen mit unklarer Schnittstelle oder eine längere Discovery-Phase verschieben das Projekt in eine eigene Klasse. Für solche Vorhaben gibt es ein eigenes Erstgespräch über Scope und Architektur, bevor ein Festpreis sinnvoll genannt werden kann.

Was im Festpreis enthalten ist

Der genannte Betrag deckt das gesamte Projekt ab, von der Spezifikation bis zur Übergabe. Keine versteckten Aufschläge.

  • Spezifikation und Discovery. Eine bis zwei Wochen, Workshop-basiert. Hier entstehen die Entscheidungen, die später die Umsetzung tragen.
  • Umsetzung mit laufenden Reviews. Jede Woche gibt es etwas Zeigbares, kein Big-Bang am Projektende.
  • Tests und manuelle Qualitätssicherung. Auf Geräten und Browsern, bevor das Tool live geht.
  • Übergabe inklusive Quellcode. In Ihrem eigenen Git-Repository, nach Projektende vollständig in Ihrem Besitz und nicht an mich gebunden.

Wer wissen will, was hinter der Festpreis-Logik steht, findet auf /leistungen/fachanwendungen den passenden Hintergrund.

Wann ich vom Festpreis abweiche

Selten. Bei Backend-Schwergewicht, das in der Discovery noch nicht greifbar ist, oder wenn Drittsysteme mit unklarer Schnittstelle eingebunden werden müssen, kann eine zeitbasierte Abrechnung mit transparentem Tagessatz sinnvoller sein. In diesem Fall benenne ich das vor Projektstart klar und halte es schriftlich fest, sodass es während der Umsetzung keine Überraschungen gibt.

Wenn das passt

Wenn Ihr Vorhaben in eines der beiden Profile passt, kann das Erstgespräch konkreter beginnen, weil der Preisrahmen schon im Raum steht. Sie wissen, ob Sie ein 7.000-Euro-Projekt oder ein 18.000-Euro-Projekt vor sich haben, und wir reden von Anfang an über das Wesentliche: was die Anwendung leisten muss, an wen sie sich richtet, und welche Treiber Ihr Vorhaben in den oberen oder unteren Bereich der Spanne ziehen.

Nächster Schritt

Interessantes Thema im Kopf?

Wenn Sie mit dem Thema selbst zu tun haben, lassen Sie uns darüber sprechen. Erstgespräch kostenlos und unverbindlich.

Erstgespräch vereinbaren